Der Ball des Presseclub Concordia ist eine Besonderheit an sich, ist er doch der einzige "große" Ball außerhalb der regulären Ballsaison.
Organisatorin Ing. Eveline Gaderer über die Dresscodes der Ballsaison und den Concordiaball.
Genau diese Tatsache ist es auch, die viele Gäste aus dem In- und Ausland anzieht. Mehr noch als bei vielen anderen Bällen finden sich hier verschiedene Nationalitäten vereint. Viele Gäste sind Stammgäste, da sie das sommerliche Flair im Arkadenhof des Wiener Rathauses genauso schätzen wie die traditionell großzügige Tanzfläche im Festsaal des Hauses.
Es ist vor allem ein Ball für Tänzer, darauf legt die langjährige Ballorganisatorin Ing. Eveline Gaderer besonders großen Wert. Wie auch auf den Kontakt zu den Gästen. "Der Ball beginnt bereits vor dem Ball" ist ein Motto, das man wohl vielen großen Bällen wie zum Beispiel dem Opernball zuschreiben kann. Genau dieses Credo gilt auch für den Concordiaball. Lange bevor der Ballabend beginnt, besuchen viele Gäste das Concordia-Haus in der Bankgasse 8, um sich Ballkarten zu besorgen. Viele werden hier beim Abholen der Karten ins Gespräch mit Frau Gaderer gezogen. Anders als bei Kaffeesiederball und Co kennt man sich beim Concordiaball, oder man lernt sich kennen.
Über den Veranstalter
Herein! herein, Gesellen alle, schließt den Reihen, Dass wir die Glocke taufend weihen! Concordia soll ihr Name sein. Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine Versammle sie die liebende Gemeine.
Diese Zeilen schrieb Friedrich Schiller 1799 nicht ahnend, dass sie 60 Jahre später seinem 100. Geburtstag zu Ehren dem Schriftsteller- und Journalistenverein Concordia zu dessen Namensgebung gereichten. Der Name war durchaus passend gewählt, bedeutet er doch "Eintracht", zu der auch die Glocke selbst aufruft.
Bis zum Gründungsjahr des Vereins im Jahre 1859 existierte keine Institution, kein Verband oder Verein, der sich für die Rechte der Schriftsteller und Journalisten einsetzte. Diese beiden Berufsgruppen hatten es von jeher schwer, akzeptiert zu werden und es bedarfte erst der Aufklärung, dass literarische Arbeit ebenso Entlohnung verdiente wie jeder andere Berufsstand. Von Krankenbeihilfe, Altersversorgung, Witwen- und Waisenunterstützung war noch lange keine Rede. Aus genau jedem Anlass, in einer Zeit, in der erst vor kurzem die Zensur abgeschafft wurde, wurde der Presseclub Concordia gegründet. Sein ursprünglicher Zweck war vor allem die Unterstützung in Not geratener Mitglieder. Dass sich der Verein in seinen Statuten den Menschenrechten, der Demokatie und vor allem der Pressefreiheit verschrieb sollte während der NS-Zeit schließlich sogar zu seiner zeitweisen Auflösung führen.
Die Geschichte der Veranstaltung Der erste Ball der Concordia fand am 19. Jänner 1863 in den 25 Jahre zuvor erbauten Sopiensälen statt, die zuerst als ganzjährig als Badeanstalt, später jedoch aus Kostengründen im Winter als Veranstaltungsräumlichkeit dienten. Dazu wurde das Becken mit Parkettboden abgedeckt und der Saal mittels dreier riesiger Kronluster in eine "feenhafte" Atmosphäre getaucht. In diesen Räumlichkeiten sollten die Bälle des Presseclubs bis 1914 - sofern kein besonders Ereignis wie tiefe Hoftrauer eine Verschiebung notwendig machten -stets am letzten Montag vor dem Rosenmontag stattfinden. Der Ball überdauerte Kriege, Wirtschaftskrisen und gesellschaftliche Veränderungen, die Sophiensäle jedoch nicht. Nachdem diese bis zuletzt noch für Clubbings, Bälle und aufgrund ihrer einigartigen Akustik auch für Aufnahmen klassicher verwendet wurden, gingen sie 2001 im wahrsten Sinne des Wortes in Rauch auf - sie brannten fast vollständig aus.
Von Anfang an wurde der "Concordiaball" von den zeitgenössischen Berühmtheiten aus Politik, Gesellschaft und Kunst besucht. So diente der Ball nicht nur als gesellschaftliche Anerkennung, sondern auch als wichtiges finanzielles Zubrot für ihre humanitären Leistungen. Die hohe Qualität der Bälle zeigt sich in der Berichterstattung der Morgenpost zum dritten Concordiaball. Er wurde als "Krone der Elitebälle" bezeichnet. Die Bedeutung des Presseclubs zeigte sich auch in den zahlreichen Musikstücken, die von Johann Strauß, Lehar, Offenbach, Suppé, Ziehrer und vielen mehr der Concordia gewidmet wurden. Die bekanntesten Walzer sind wohl die "Morgenblätter" von Johann Strauß' Sohn, sowie die "Abendblätter" von Jaques Offenbach. Die beiden Herren lernten sich damals am zweiten Concordiaball 1864 kennen. Beide wurden eingeladen, Musikstücke für den Ball zu komponieren und beide taten es. Offenbach wurde bejubelt, Strauß fiel mit seinen "Morgenblättern" leider durch. Doch es sollte nur einige Monate dauern, bis das Werk Offenbachs vergessen war und der frischere und jüngere Morgenblätter-Walzer sich durchsetzen konnte. Zu den Klängen dieser Melodie wird auch heute wieder der Eröffnungswalzer getanzt.
Dass derart viele Künstler ihre Werke einem Verein für Schriftsteller und Journalisten widmeten ist kein Zufall. Wer in Wien als Bürger gelten wollte, war entweder Mitglied bei der Concordia oder im Männergesangsverein, dem auch zahlreiche Stücke gewidmet wurden. Es waren die zwei bedeutendsten Institutionen der damaligen Zeit.
Die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommenden Damenspenden waren besonders im Wien zwischen 1880 und 1900 sehr beliebt. Ursprünglich aus der Tanz-Ordnung, später auch Tanzkarte genannt, entwickelten sich immer verspieltere - heutezutage immer "nützlichere" - Damenspenden. Diese waren beim Concordiaballn stets literarischer Natur und spiegelten Geist und Geschmack der jeweiligen Zeit wieder. Im Presseclub stehen diese Damenspenden noch gesammelt in einem alten Biedermeierschrank zur Schau. Die Originellste ist sicherlich eine 20 cm große Minitaurgeige, in desen Resonanzboden ein Fach mit einem Büchlein zur Bedeutung Mozarts in der damaligen Zeit eingelassen war. Der Anlaß war hierzu das 150. Geburtsjahr Mozarts 1906.
Nachdem im Jahre 1913 des Balkankrieges wegen der Ball ausfiel, sollte der nächste - 1914 - für längere Zeit der letzte sein. Der nächste fand erst 1921 - nach dem 1. Weltkrieg - statt. In dieser Zeit musste außerdem die Österreichische Presse und damit auch der Presseclub Concordia mit einer kriegsbedingten Zensur kämpfen. In der Zwischenkriegszeit änderte sich der Ball - es gab mehr politische Reden, der Ball wurde bürgerlicher und es wurde mehr getanzt, unter anderem auch Foxtrott. Die "Freie Neue Presse" schreibt 1922 dazu "...auch das ist ein Merkmal des "Concordia"-Balls der neuen Zeit, daß er ein richtiger Tanzball ist". Lange hielt auch diese Euphorie nicht an, 1932 rang man sich zu der Entscheidung durch, keinen Ball zu veranstalten, da der Ball "zu sehr im Gegensatz stünde zu der sorgenvollen Betrübnis, die unser ganzes Land erfüllt."
Zu dieser Zeit hatte die Wirtschaftskrise das Land fest in der Hand und auch das Gelder für die humanitären Zwecke der Concordia wurden weniger. Erst 1960, lange nach der Auflösung und Wiederbegründung des Presseclubs, fand wieder ein Ball statt. Man besann sich zwar alter Traditionen, es gab aber auch zahlreiche Änderungen. So fanden seit 1960 - mit einer Ausnahme 1999 - alle Concordiabälle im Wiener Rathaus statt. Doch nicht nur die Lokalität änderte sich, auch die Jahreszeit, in der der Ball stattfand. Er wanderte in den Juni und wurde somit auch zu einem Highlight der Wiener Festwochen. Die Medien feierten den Ball 1960 als den "Opernball des Sommers" und auch die Besucherzahlen kletterten in den folgenden Jahren in die Höhe: von 2500 auf fast 4500. Eines der bekanntesten Zitate zum Ball stammt von Bundeskanzler Bruno Kreisky der, als er gebeten wurde den Ball zu eröffnete, einfach antwortete: "Und was mochen's, wenn i na sog?".
Seit dem Jahre 1982 spielte eine Musikkapelle im Arkadenhof des Rathauses. Eine besonders nette Idee ließ man sich zum 25. Concordiaball der 2. Republik einfallen: 25 Paare, welche in den vorangegangenen 25 Jahren eröffnet hatten, waren Teil des Eröffnungskomitees. 1999 übersiedelte der Ball einmalig in die nach dem Brand von 1992 frisch wiederhergestellten Redoutensäle und musste mit starken Regenfällen kämpfen. Der Festsaal des Rathauses wurde renoviert.
Der Concordiaball ist einer der geschichtsträchtigsten und traditionsreichsten Bälle des Landes. Stets bemüht sich Frau Ing. Gaderer wie ihre Vorgänger Neues zu bieten und mit der langen Tradition des Balles zu verbinden. 2009 wechselte man nach der Ära Willy Fränzl und seinem Nachfolger Tanzmeister Klaus Mühlsiegl, welcher geschickt Choreografien auf das Parkett umsetzte, zur noch jungen Tanzschule Chris.
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