Der Wiener Ärzteball zeichnet sich jedes Jahr durch seine überschwengliche und umfassende Dekoration aus. Manchmal wirkt es (ohne es böse zu meinen) als wäre die Zeit am Ball in einem vergangenen Jahrzehnt stehengeblieben. Dies zeigt sich vor allem beim Dekor, den Ansagen und auch den Livrierten. Aber genau die verleihen dem Ball gleichzeitig sein unvergleichliches Ambiente. An jeder Ecke fanden sich Ausschweifungen. Kaum auf einem anderen Ball finden sich solch überreiche Blumendekors – der Trend auf den anderen Bällen scheint eher ein entgegengesetzter zu sein.
Es gab überall etwas zu entdecken. Vor allem der Heurige "Mayer" war dank unzähliger Schilder von überall im Erdgeschoss aus zu finden. Dort fand man bei klassischen Wiener Liedern den richtigen urigen Wiener Heurigen. Perfekt inszeniert, natürlich mit dazugehöriger Deko. Das Gesamtthema des Balles war dieses Jahr schwer zu erraten. War es das Klimtjahr (erkennbar am großen Kilmtjahr im Festsaal)? Oder Thema Jugendstil (Feststiege)? Ein einheitliches Ballthema war nicht erkennbar.
Gleich nebem dem Heurigen fand sich bei der Botschafterstiege kostenloses italienisches Eis, in Szene gesetzt mit einem venezianischen Bühnenbild. Die Schlange, die bis weit nach Mitternacht nicht kürzer zu werden schien, reichte fast bis zum Heurigen zurück. Wessen Gaumen nach etwas noblerem verlangte, wurde an einer Austern- und eine Champagnerbar fündig.
Die Choreografie, von Ballettmeister Fred Mastaire, war recht nett, jedoch ohne die von ihm so geliebten Gimmicks wie leuchtende Bögen, Lichter oder ähnliches. Dafür gelang sie auch ganz gut. Weiters trat eine Lateinformationsgruppe mit Kindern auf, die trotz des jungen Alters Leistungen brachten, von denen sich so manche ältere Semester etwas absehen hätten können.
Dem großen Besucheransturm in den vergangenen Jahren war es sicher auch zu verdanken, dass der Ball sich dieses Jahr etwas weiter in die Hofburg ausgebreitet hat. So konnte man sogar im Kleinen Redoutensaal Sitzen und Tanzen. Für Letzteres fanden sich genug Gelegenheiten. Allein im ersten Stock waren mehr als fünf Bands zu zählen.
Eine weitere Besonderheit des Balles ist die Mitternachtseinlage, diesmal singend und steppend umgesetzt von Michael Seida, der Rat-Pack Songs auf Wienerisch zum besten gab. Die Gefahr bei musikalischen Einlagen ist natürlich immer, dass Teile des Publikums weiterwandern, aber auch für diese gab es genug Dinge auf zum Ball zu entdecken. Die Disco zum Beispiel war nur sehr schwer zu finden. Da hätte vielleicht ein Schild geholfen.
Das Fazit zum Ärzteball ist sicher ein sehr positives. Der Ärzteball 2012 ist allen Anzeichen der Wirtschaftskrise zum trotz weiter gewachsen. Das Programm war sehr abwechslungsreich und bot dennoch für die Stammgäste Bekanntes. Mit Michael Seida fanden die Veranstalter auch sicher den richtigen Entertainer für die Mitternachtseinlage. Die Damenspende, ein Schlüsselanhänger mit kristallenem Tanzschuh, passte sicher als Aschenputtel-Schuh perfekt zu einem märchenhaftem Ballerlebnis. Musikalisch gesehen bot der Ball allen etwas: Das Ballprogramm listet ganze 12 Bands, die hier fast jeden Musikgeschmack bedienten.
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