Der Kaffeesiederball feierte dieses Jahr nicht nur sein eigenes 55. Jubiläum, sondern auch das 150jährige Bestehen des Kaffeerösters Julius Meinl. Dies wurde mit einem auf die Außenseite des Wintergartens der Hofburg projezierten Meteors gefeiert, so Ballvater Kommerzialrat Maximilian K. Platzer während der Eröffnungsrede. Die Kaffeesieder geben mit dem Ball vielen Künstlern ein Podium für Ihre Werke, unter anderem Berenice Darrer, deren Werk den inzwischen schon zur Tradition gewordenen Fächer gestaltete, der jedes Jahr von der Galerie Ernst Hilger gesponsert wird.
Der Kaffeesiederball war auch dieses Jahr wieder – trotz Semesterferien und wirtschaftlich herausfordernder Zeiten – komplett ausverkauft. Das Gedrängel in den Gängen, vor allem auf dem Weg zwischen Festsaal und Redoutensälen hat dieses Jahr aber gefühlsmäßig abgenommen, es mag auch am ausgeklügelten Einbahnsystem liegen. Dekormäßig zählt der Ballabend sicherlich zu einem der beeindruckensten in der Hofburg. Schon im Foyer flankierten zwei riesige Kaffeetassen die Feststiege. Dort standen Herren im Livree und überreichten den Damen die eben schon erwähnten Fächer.

Die Eröffnung des Balles konnte künstlerisch absolut begeistern. Die “Vereinigung Wiener Staatsopernballett” tanzte passend zum Klimt-Jahr Werke von Mahler: “Gustav Klimt am Attersee” und “Der Titan”. Letzteres wurde grandios umgesetzt mit riesigen blauen Schwingen. Lukas Gaudanak zeigte hier wirklich, was er kann. Die traditionelle Eröffnung der Tanzschule Elmayer, welche danach folgte war zwar lieblich, erinnerte aber an viele andere Eröffnungen derselben Tanzschule. Viele Bälle zeigten dieses Jahr mehr Mut, wenn es um außergewöhnliche Choreografien ging.

Daniela Fally, inzwischen auch schon Stammgast am Ball, zeigte stimmgewaltig wie “Geschichten aus dem Wienerwald” noch gesungen werden konnten: lebendig, kokett und voller Esprit.
Sehr schön danach auch die “Fledermaus-Overture” getanzte Einlage der Formationsgruppe der Tanzschule Elmayer-Vestenbrugg. Ballvater KR Maximilian K. Platzer honorierte in seiner Rede wiedermals “nur im Block” viele wichtige Ehrengäste und auch Mitarbeiter, was sicherlich mindestens eine Viertelstunde in Anspruch nahm. Die gesamte Eröffnung dauerte diesmal rund 1 Stunde und 20 Minuten, was für den Kaffeesiederball ein mittlerer Wert ist.

Am Ball selbst gab es viel zu entdecken, unter anderem die Tombola, deren Lose wie immer schon viel zu früh ausverkauft waren. Vermisst wurden dieses Jahr allerdings die großartigen Werke rund um den Patisserie-Preis. Trotzdem gab es an dieser Stelle eine Vielzahl an beeindruckenden Torten, die allesamt Preise der Tombola waren. Wahrscheinlich die beste Werbung für ein oder mehrere Lose.

Auch akustisch gab es viel zu entdecken. Darunter sicherlich auch die Mitternachtseinlage der Vereinigten Bühnen Wien, die Udo Jürgens Lieder mit Ausschnitten aus dem Musical “Ich war noch niemals in New York” zum Leben erweckten. Dabei war die Länge der Einlage mit 15 Minuten genau richtig, um die Quadrille-begeisterten Gäste bei Laune zu halten. Oft, vor allem bei Einlagen länger als 30 Minuten, merkt man, dass das Publikum unruhig wird, auch wenn die Einlage unterhaltsam sein mag.
Ganze zwölf Orchester spielten am Ball, besonders nennenswert sind hier “The Bad Powells”, die die Stimmung im Dachfoyer mit Songs aus den 70ern – und entsprechender Kostümierung – anheizten.

Konnte der 55. Ball der Wiener Kaffeesieder dieses Jahr also halten, was er den Ballgästen versprach? Auf jeden Fall! Das Ballevent ist eines der best geplanten in der Saison und man hat immer etwas zu erleben, was bei diesem großen Angebot auch Stress bedeuten kann. Wer alles erleben will, ist bis in die frühen Morgenstunden beschäftigt. Treffpunkte mit Bekannten sind außerdem bereits vorab sehr gut zu planen, da man sich im Getümmel nur schwer wiederfindet.
Der Fiakerexpress zum Cafe Landtmann musste dieses Jahr aufgrund der eisigen Temperaturen – es hatte doch bei -10°C – einem Café-Express-Zug weichen.
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